Letzte Worte - Reviews
Tiefgang-Online

LEICHENWETTER vertonen auf ihrem dritten Album "Letzte Worte" Gedichte großer verstorbener deutscher Dichter im Gewand der nicht mehr ganz so Neuen Deutschen Härte. Damit haben die Texte schon mal Niveau. Um Nazivorwürfe von Vornherein zu entkräften, gibt´s neben einer "Hakenkreuz in Papierkorb"-Zeichnung im Booklet das Lied "Die schlesischen Weber" von Heine mit dem Refrain "Altdeutschland, wir weben dein Leichentuch ...". Musikalisch bewegt sich der Gothic Metal zwischen RAMMSTEIN, UMBRA ET IMAGO und den deutschsprachigen Songs von CREMATORY.
Im Vergleich zu RAMMSTEIN sind LEICHENWETTER nicht ganz so hart und bestechen durch etwas anspruchsvolleren Gesang (das Lispeln des Sängers stört mich persönlich nicht). Gerade die Keyboard-Linien erinnern an CREMATORY (v.a. "Weltende"), "Im Nebel" geht in Richtung PAIN, wobei die Melodie der schönen Synthies wohl von TERENCE TRENT D´ARBYs "Delicate"
geklaut sein dürfte. "Verführer" ist sehr eingängig und befindet sich auch noch in einem Club-/Radio-Mix auf der CD. Insgesamt aber eine recht langweilige Angelegenheit, Hits fehlen. Richtig übel ist das Cover "Jenseits von Eden" von PETER MAFFAY. Obwohl das ja auch ein großer Dichter ist.

Obliveon

Nach dem Ende der Gothic Metal-Formation Le Cri Du Mort schufen sich Sänger Andre Winkhaus, oder Numen, wie er sich jetzt nennt und Gitarrist Dawe, der auf "Letzte Worte" ebenfalls einige Gesangsparts übernimmt, mit Leichenwetter ein neues Betätigungsfeld. Allerdings versucht man neue Wege zu beschreiten und hat mit der Vertonung von alten deutschen Gedichten von Meistern (das schließt die weibliche Form mit ein) wie Goethe, Hesse, Droste-Hülshoff oder Heine ein völlig neues Konzept auf die Beine gestellt. Auch musikalisch beschreitet man - im Vergleich mit dem typischen Gothic Metal - andere Wege. Weg von Violine und integriertem weiblichen Gesang, dafür Hinzunahme von elektronischen Elementen und tanzbaren Beats. Letztendlich sind Leichenwetter die Verbindung von Elektronik, Gothic Metal und einfachen, aber effektvollen Stakkatoriffs a la Rammstein. Zu meinem Bedauern singt Numen nicht mehr oft so pathetisch wie noch zu Zeiten von Le Cri Du Mort, aber das sind dann die unter anderem herausragenden Momente. Der Titeltrack "Letzte Worte" ist ein solcher Song, der einen mit seinem Pathos zeitweise gar Parallelen zu Peter Maffay (*g*) ziehen lässt. Aber als herausragend müssen sicherlich auch das harte, gitarrenlastige und deshalb Rammstein-artige "Mutter" ebenso genannt werden, wie das vom ollen Goethe getextete "Grenzen der Menschheit" (die vielleicht vielen bekannte Textzeile "...denn mit Göttern soll sich nicht messen irgendein Mensch..." wurde hervorragend in Szene gesetzt) sowie das aus der Feder von Heinrich Heine stammende und mit tollem Refrain sowie extrem kräftigen Gesang ausgestattete " Die schlesischen Weber". Die Zugaben - Club-Mixes von zwei Songs der Platte sowie die Coverversion von Nino de Angelos "Jenseits von Eden" - bringen das Album dann auf eine gute Stunde Spielzeit. Äußerst interessantes Konzept, gute Umsetzung und einfach mal was anderes. Macht Summa-Sumarum acht kleine Punkte. 8/10 - SBr

Andres Neitzel von Metalius

Manche Scheiben machen es einem wirklich nicht einfach. So auch im Falle von LEICHENWETTER und ihrem neuen Werk „Letzte Worte“, denn dieser knapp einstündige Silberling mit all seinen musikalischen und lyrischen Facetten lässt mich selbst nach mehrmaligem Hören ein wenig ratlos zurück. Eigentlich beginnt das bereits beim Bandnamen, der nicht nur nicht alltäglich, sondern für so manchen mit Sicherheit auch inakzeptabel sein dürfte, letztlich sind Namen jedoch wie Schall und Rauch, ergo sollte man sich derartige Diskussionen tunlichst ersparen. Viel erwähnenswerter sind da schon die Texte, denn die Iserlohner um Sänger Numen verarbeiten hier nicht aktuelle Themen aus dem eigenen Umfeld, sondern lassen vielmehr die Worte verschiedener lyrischer Größen für sich sprechen, entwerfen hier quasi eine eigene Variante des „Clubs der toten Dichter“, in dessen Kreise sich immerhin so erlesene Namen wie Else Lasker-Schüler, Annette von Droste-Hülshoff, Hermann Hesse, die guten alten Goethe und Heine oder auch Joseph von Eichendorff befinden. Eine illustre Gesellschaft also, deren Werke zumindest inhaltlich für angemessen Qualität bürgen.

Ob die musikalische Umsetzung auf ähnlich hohem Niveau geschieht, darüber lässt sich sicherlich streiten. Zu Beginn werden jedenfalls erst mal Erinnerungen an Rammstein wach. Vom Arrangement, dem Refrainfragment „...mein Herz pocht“ und der ganzen akustischen Umsetzung her ähnelt „Nur dich“ doch sehr an die ostdeutschen Pyromanen und ihren Titel „Mein Herz brennt“ – ein Eindruck, der allein durch die bloße Wahrnehmung eines weiteren Titels namens „Mutter“ wohl nicht gleich abgeschwächt wird. Doch wer die Sauerländer als Rammstein-Klon bezeichnet, der hat diese Scheibe entweder nicht bis zum Ende gehört oder aber einfach keine Ahnung, denn sowohl gesanglich als auch von den Kompositionen her liegen letztlich Welten zwischen beiden Formationen, insofern möchte ich hier auch keine weiteren Vergleiche mehr anstellen. Streckenweise passen die Songs mit ihren brachialen Gitarrenriffs noch unter das Motto „Neue deutsche Härte“, so etwa beim Titeltrack „Letzte Worte“, dem nachfolgenden „Verführer“ oder dem abwechslungsreichen „Im Nebel“. Im weiteren Verlauf gesellen sich jedoch auch immer wieder elektronische Elemente dazu, werden Melodien mit Synthielinien unterlegt und durch eingängige Beats ergänzt. Ein Highlight auf diesem Silberling ist zweifellos das hymnisch-pathetische „Grenzen der Menschheit“ mit seinen hypnotischen Melodiebögen, dem ultraeingängigen Refrain sowie durchweg überzeugenden, getragenen Arrangements! Von etwas provokanter Natur ist ein weiterer Höhepunkt, nämlich das auf Versen von Heinrich Heine basierende „Die schlesischen Weber“ mit seinen eingestreuten „Deutschland“-Rufen, doch wer sich mit den Textinhalten näher auseinandersetzt, dem dürfte jeder Gedanke an rechtes Gedankengut oder ähnlichen Schwachsinn mehr als fremd sein. Leider können nicht alle Titel dermaßen überzeugen: Tracks wie „Mondnacht“, „Weltende“ oder auch die beiden Remix-Versionen von „Verführer“ und „Nur dich“ fallen qualitativ doch ab und haben einiges an Nervpotential, wirken im Falle der Bonustracks gar wie Füllmaterial, um dem Album eine annehmbare Gesamtspielzeit zu verpassen. Die Spitze allen Übels ist für mich jedoch mit dem Rausschmeißer „Jenseits von Eden“ erreicht, denn dieser Track ist für mich schon im Original unsäglich und erfährt auch in der Version von Leichenwetter keine grundlegende Verbesserung, sodass mir der Abschied von diesem Longplayer wahrlich leicht gemacht wird. Und auch wenn handwerklich alles im grünen Bereich ist, was ebenso für die Produktion gilt, so fehlt es mir doch letztlich an dem gewissen Aha-Effekt, der dazu einladen würde, diese CD länger im Player verweilen zu lassen.

Fazit: Leichenwetter bieten auf „Letzte Worte“ eine Mischung aus metallischer Härte, düsteren Gothic-Motiven sowie leichten Elektronik-Anleihen, was zusätzlich noch durch das gesamte „Friedhof-Artwork“ unterstützt wird - so bilden zwei Statuen das Cover, während im Booklet Grabsteine als Hintergrund für die Texte und ihre jeweiligen Urheber dienen. Wem diese Symbole generell suspekt sind, der dürfte meiner Meinung nach eh nicht allzu viel mit dieser Combo anfangen können, zumal das Tragen von Masken, wie es die Bandmitglieder (bis auf Sänger Numen) allesamt zu tun scheinen, auch nicht unbedingt dazu beiträgt, zumindest bei bodenständigen Metalheads einen ansprechenden Eindruck zu hinterlassen. Wem diese äußeren Merkmale jedoch egal sind, wer auf diese Art von Stilmix steht oder zu den besonders neugierigen Musikfans im Lande gehört, der sollte ruhig mal ein Ohr riskieren – vielleicht bleibt ja der eine oder andere Song dabei hängen. Für mich ist’s eine durchschnittliche Scheibe – nicht weniger, aber auch definitiv nicht mehr! 6,5 von 10 Punkten.

Joneleth von Metal.de

Die Kombination aus Literatur und Musik fand zum ersten Mal in der literaturgeschichtlichen Epoche der Romantik statt. Passend zur neuen Glaubenseinstellung dieser Zeit, begannen erste berühmte Komponisten ebenso berühmte Gedicht bekannter Artsgenossen zu vertonen und trafen damit genau den Geist dieser Epoche. Ob man Leichenwetter jedoch als Nachfolger von Schumann und Co. bezeichnen kann, sei dahingestellt...
Objektiv betrachtet haben wir hier eine Gothic Band mit EBM und Rammstein-Elementen vor uns, die sich daran versucht den Hörer mit griffigen und atmosphärischen Riffs zu unterhalten, ohne aber wirklich weh zu tun oder in experimentives Gefrickel auszuarten. Dass der Band bewusst ist, dass zu einem außerordentlichen Erfolg noch ein gutes Stück mehr nötig ist, zeigt sich rasch beim Durchblättern von Booklet und der Promo Beilage.
Schon bald hängen einem die platten Provokationen nämlich zum Hals raus... Den Bandnamen kann ich ja noch tolerieren, aber warum müssen die Bandmitglieder klobige Masken tragen? Und warum muss in der Infobeilage so groß breitgetreten werden, dass 'Die schlesischen Weber' nichts rechtsextremes an sich hat? Den Kids mag sowas gefallen, aber als ersthaft arbeitender Metalredakteur (ist das jetzt ein Widerspruch in sich?) gibt das eindeutig Punktabzug.
Dennoch ist die Wertung von 7 Punkten absolut gerechtfertigt. Nicht nur dass absolut jeder Song für sich stehen und überzeugen kann; die lyrisch angesprochenen Themen konnten durchaus äußerst treffend intoniert werden, ohne dass Ohrwürmer oder Breaks zu kurz gekommen sind. Angefangen vom fröhlich-majestätischen 'Nur Dich', über das opernhafte 'Grenzen der Menschlichkeit' bis zum epischen 'Dort und Hier' zieht sich das Album unterhaltsam, dynamisch und abwechslungsreich voran, ohne langweilig zu werden. Bei 'Im Nebel' haben sie sogar ein regelrechtes Meisterwerk erschaffen, was die Liedumsetzung von Gedichten angeht und einen düsteren Break der Extraklasse hingelegt. Etwas danebengegriffen hat die Band aber bei 'Mondnacht' und oben erwähntem 'Die schlesischen Weber'. Zwar sind beide Songs musikalisch auf höchstem Niveau und potentielle Ohrwürmer, aber ersteres ist schlicht und einfach viel zu düster für diesen gefühlsbetonten naturromantischen Text geraten (Interpretation in Ehren). Ebenso seltsam scheint es, im Liedgut aus den ausgenutzten Textilverarbeitern des schlesischen Weberaufstanden diabolische Dämonen die Deutschland in ein Leichentuch wickeln wollen, zu machen (ja, ich weiß dass der Text quasi original übernommen wurde, aber diese melodische Untermalung wirkt absolut übertrieben). Ironischerweise kommt gerade bei diesen beiden Songs aber auch der theatralische Gesang des Sängers Numen am besten zur Geltung (nimmt man die 'Grenzen der Menschheit' noch hinzu); was wiederum einige Pluspunkte gut machen kann.
Leichenwetter ist so eine Band, bei der man als Redakteur schnell in ein Wespennest stechen kann. Ob man die 5 Freunde nun als Neu-Romantiker oder Möchtegernprovokanten bezeichnet sei jedem dahingestellt; aber das musikalisch/lyrische Konzept der Truppe zeigt sich eindeutig verdammt stark, interessant und livetauglich. Wer sich sein eigenes Urteil bilden will, kann auf der offiziellen Bandseite in einige der neuen Songs reinhören - die anderen dürfen sich weiter über Sinn und Unsinn von Masken abseits der Faschingszeit streiten.
7 von 10 Punkten.

Zusammenstellung: Otger Jeske von Iron-Pages

Es RAMMSTEINelt sehr bei LEICHENWETTER. Dennoch kann man »Letzte Worte« wohl nicht eins zu eins als Kopie betrachten. Ich denke da eher an ähnliche Vorbilder, da sich der Ansatz von LEICHENWETTER teilweise völlig unterscheidet. Eine gewisse Gothic-lastigkeit kann man sich manchmal nicht verkneifen, RAMMSTEIN tun es. Trotzdem sind LEICHENWETTER deswegen noch lange nicht Gothic, auch wenn man teilweise damit spielt. Dazu sind die Loops oftmals zu agressiv und die Gitarren braten hammerhart. Eine gewisse kühle Industrial-Atmosphäre sorgt hingegen mit brachialem Sound recht augenscheinlich zur RAMMSTEIN-Nähe. Dafür versuchen LEICHENWETTER aber intellektueller zu sein, wenden sich deutschen Dichtern wie Heine, Goethe, Hesse u.a. zu. Ich kann Euch jedenfalls nur raten, auf alle Fälle die Truppe anzutesten, kommen ordentlich!

Masa @ 21st Century Metal Net

Das dritte Album eines fünfköpfigen Dark Industrial Gothic Acts aus Bochum. Sie sind eine weitere Band, die es offensichtlich verstanden hat, "Neue Deutsche Härte (New German Roughness)" mit Dance/Techno Beats zu verschmelzen. Ihre überwiegend in Midtempo ausgelegten düsteren Songs mit druckvollen Gitarren und der gewissen Morbidität des Industrial öffnen ganz sicher die Herzen jener Fans, die bislang schon auf MEGAHERZ oder TANZWUT standen. Obwohl teilweise eine musikalische Verknüpfung zu RAMMSTEIN nicht zu leugnen ist, glaube ich dennoch, dass sie gut daran täten, ihr eigenes Ding zu machen. Ein Schwachpunkt, den ich nämlich noch erwähnen möchte, ist ihre etwas zu geringe musikalische Souveränität. Sie sehen aus, wie eine billige Kopie von CRIMSON GLORY, geziert mit Jasons Maskerade aus 'Freitag, der 13.', aber letztendlich scheint es mir so, als wären sie noch immer auf der Suche nach ihrer eigenen Identität, um endlich die "einzigen" dieses Genres zu sein. Na, mal sehen, wie ihre nächste Veröffentlichung ausfallen wird. (Translated by Andreas Schmidt)

Terrorverlag

Bereits die letzte in Eigenregie entstandene Scheibe „Urworte“ der Iserlohner LEICHENWETTER konnte in der Redaktion für Furore sorgen. So viel Furore, dass wir die Jungs spontan als Opener für das erste Terrorfestival buchten. Dort bewiesen die Maskenmänner und insbesondere Shouter Numen, dass sie ihren eigenwilligen Gothic Metal auch unter Wettbewerbsbedingungen optimal umsetzen können. Ausgerüstet mit einem derartigen Popularitätsschub war es dann nur noch eine Frage der Zeit, bis man den verdienten Label-Deal einfahren konnte. Das kleine Bochumer Metal Axe-Team bekam den Zuschlag und damit zugleich eine der hoffnungsvollsten „Nachwuchs-Kapellen“.

Nun hätte man es sich ja einfach machen und einfach die „Urworte“-CD noch einmal wieder veröffentlichen können. Aber schon live deuteten die Wetterfrösche an, dass man einige interessante neue Songs im Gepäck hat. So tat man das einzig richtige: Der Silberling wurde bis an den Rand vollgepackt mit „alten“ Highlights, neuen Kompositionen und das ganze noch mit Remixen abgeschmeckt. Wer den Sound des Quintetts noch nicht kennt, dem sei gesagt, dass man harte – teilweise an NDH erinnernde – Riffs mit elektronischen Effekten und einem einzigartigen lyrischen Konzept kreuzt. So werden fast ausschließlich Texte bekannter Deutscher Dichter und Denker umgesetzt, die in Verbindung mit der variablen Singstimme für ein ganz besonderes Feeling sorgen. Der gewichtige Numen kann aggressiv bellen und SILBERig dem cleanen Pathos frönen, was sich dann nach klassischer Gesangsausbildung anhört. Zwar mögen einige Metalblätter den Mumenschanz und die musikalische Überhöhung als schwülstig abtun, dafür werden LEICHENWETTER auch in der Gothic-Szene viele Fans gewinnen.

Mit „Nur dich“ und „Verführer“ befinden sich 2 richtige Knaller auf den ersten Spuren der CD, welche sehr stark vom Refrain-Stophen-Kontrast profitieren. Hat man diese Songs schon länger lieben gelernt, schließt man das aggressive „Letzte Worte“ gleich mit ins Herz, welches schon im Live-Set sein ungeheures Potenzial entfalten konnte. Nicht alle der nachfolgenden Lieder können das eingeschlagene Niveau halten, aber unter einen gewissen Level fällt dasselbige nie. Besonders nett finde ich die „Schlesischen Weber“, die mit „Deutschland Deutschland“-Geschrei loslegen und damit den unbedarften Hörer in die Irre führen. Denn wer seinen Heine im Deutschunterricht richtig beackert hat, weiß, dass es sich hier mitnichten um nationalistisches Liedgut handelt, ganz im Gegenteil! Zum Glück hat man auch den Partyknaller schlechthin übernommen, die kuriose Coverversion „Jenseits von Eden“, und wer die nicht mögen sollte, kann die CD ja ein paar Minuten eher ausfaden lassen. Genauso sind die beiden stampfenden Clubremixe Geschmackssache, da hier den Originalen doch etwas der Charakter genommen wurde.

Aber das sind alles nur bedeutungslose Randerscheinungen eines ausgezeichneten Debüts, welches bei richtiger Vermarktung einen bleibenden Eindruck in der Szene hinterlassen wird. Weder Gothic noch Metal, noch nicht mal Gothic Metal, aber etwas ganz Besonderes!

TK

Metal-District

Was darf man von einer Band erwarten, die sich den netten Namen Leichenwetter gegeben hat? Sicherlich keinen Bubblegum-Punk oder Tralala-Melodien. Leichenwetter sind vielmehr auf ihre Art einzigartig. Schwere druckvolle Gitarrenriffs treffen auf teils recht tanzbare Beats (exzellentes Beispiel: „Im Nebel“) und eigenständigem deutschen Gesang. Sänger Numen setzt dabei überwiegend Gedichte großer deutscher Meister wie Hesse, Goethe oder Heine ein und kleidet sie mit seinen Mitstreitern in ein modernes, hartes Gewand. Solche Musik ist und bleibt sicherlich immer Geschmackssache, aber wer drauf steht, sollte sich diese „Letzten Worte“ unbedingt einverleiben, denn Songs wie „Nur Dich“ oder „Grenzen der Menschheit“ sind Ohrwürmer erster Güte. Höhepunkt des Albums ist allerdings das provozierend mit einem „Deutschland“-Schlachtruf eingeleitete „Die schlesischen Weber“, das auf einem Gedicht von Heinrich Heine († 17.02.1856) basiert und keinesfalls als Anbiederung an den Rechtsradikalismus zu verstehen ist – schlimm genug, dass man aufgrund der allgemeinen Unwissenheit so was überhaupt extra erwähnen muss. „Letzte Worte“ ist ein starkes Album mit tiefsinnigen Texten geworden, dass mich aufgrund der Erinnerungen ans Original (von Drafi Deutscher geschrieben und von Nino DeAngelo gesungen) lediglich bei „Jenseits von Eden“ leicht schmunzeln lässt. Hansy / 8,5 Punkte

   



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