Altes Lied - Heinrich Heine

Du bist gestorben und weißt es nicht,
Erloschen ist dein Augenlicht,
Erblichen ist dein rotes Mündchen,
Und du bist tot, mein totes Kindchen.

In einer schaurigen Sommernacht
Hab ich dich selber zu Grabe gebracht;
Klaglieder die Nachtigallen sangen,
Die Sterne sind mit zur Leiche gegangen.

Der Zug, der zog den Wald vorbei,
Dort widerhallt die Litanei;
Die Tannen, in Trauermänteln vermummet,
Sie haben Totengebete gebrummet.

Am Weidensee vorüber ging's,
Die Elfen tanzten inmitten des Rings;
Sie blieben plötzlich stehn und schienen
Uns anzuschaun mit Beileidsmienen.

Und als wir kamen zu deinem Grab,
Da stieg der Mond vom Himmel herab.
Er hielt eine Rede. Ein Schluchzen und Stöhnen,
Und in der Ferne die Glocken tönen.



DICHTER

Benn, Gottfried
Bürger, Gottfried August
Droste-Hülshoff, Annette von
Eichendorff, Joseph Freiherr von
Goethe, Johann Wolfgang von
Goll, Yvan
Gryphius, Andreas
Haushofer, Albrecht
Hebbel, Christian
Friedrich
Heine, Heinrich
Hesse, Hermann
Heym, Georg
Lasker-Schüler, Else
Nietzsche, Friedrich
Schiller, Johann Christoph Friedrich
Stadtler, Ernst Maria Friedrich
Storm, Theodor
Trakl, Georg
Werfel. Franz