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DAWE
von der deutschen Konzeptband LEICHENWETTER nahm sich
Zeit, um meine Fragen zur Band und zum neuen Album Klage
zu beantworten und entpuppte sich dabei als sympathischer,
interessanter Zeitgenosse. Aber beginnen wir von vorne
- mit der Geschichte von LEICHENWETTER, die DAWE für
mich wie folgt zusammenfasst: Die Geschichte Leichenwetters
ist bisher nicht außergewöhnlich ungewöhnlich
verlaufen: Die Gründung liegt gegen Ende der Neunziger
Jahre des vergangenen Jahrtausends. Seitdem ist unser
Line-up beständig geblieben. Bis dato haben wir zwei
Eigenproduktionen (Nachtwerke und Urworte)
und nach Letzte Worte nun das Album Klage
veröffentlicht.
Dabei besteht das Konzept bei LEICHENWETTER darin, die
Werke verstorbener deutscher Lyriker zu vertonen. Das
macht das Quintett jedoch nicht etwa aus Mangel an eigenen
Texten oder Kreativität, wie DAWE bereitwillig verrät:
Die Idee entstand nicht ganz spontan. Bereits zu
Schulzeiten stieß ich häufig auf Lyrik, die
ich verglichen mit der Plattheit vieler Songtexte für
so genial erachtete, dass mir bereits damals die Idee
erwuchs, diese Gedichte mit harter Musik zu verbinden.
Ich war der Meinung, so könne man Leuten diese Texte
näher bringen, die nicht in einen Gedichtband schauen.
Die Werke verstorbener Lyriker wählt die Band dabei
nicht etwa aufgrund irgendwelcher morbider, nekromorpher
Gelüste aus, sondern aus dem einfachen Grund, dass
viele der Gedichte keinen aktuellen Bezug benötigen,
sondern einfach zeitlos gültig sind. Sie transportieren
Gefühle und Stimmungen, die einfach allgemein verständlich
sind. Liebe oder Sehnsucht verlieren nicht an Aktualität.
Dagegen beschäftigen sich nach Meinung der Band moderne
Gedichte eher mit Themen, die ich für LEICHENWETTER
unpassend finde, z.B. Großstadtlyrik oder Industrialisierung.
Dieses Konzept scheint unabhängig von der individuellen
Blickweise auf die moderne Lyrik aufzugehen, denn die
Karriere von LEICHENWETTER erfährt mit der Veröffentlichung
von Klage gerade einen neuen Höhepunkt.
Da darf man dann ruhig auch mal fragen, was Klage
nach Meinung der Macher von den anderen zahlreichen Veröffentlichungen
im Gothic-Rock-Bereich abhebt. Eine Frage, die der Gitarrist
souverän zu beantworten weiß: Natürlich
könnte unser Konzept einigen Leuten gefallen, aber
allein wegen der Gedichte wird sich ja niemand ein Album
zulegen, gibt er sich selbstkritisch. Außerdem
haben andere deutschsprachige Bands ja nicht unbedingt
schlechte Texte. Das ist ja auch bei uns nur die eine
Seite. Mindestens genauso wichtig ist natürlich die
Musik, die ja die viel offensichtlichere Hälfte ist.
Wir sind aber nicht so vermessen zu behaupten, dass wir
uns dadurch von allen anderen Bands abheben. Wir persönlich
sind mit dem Album sehr zufrieden, weil es schöne
Songs enthält, die eingängig sind, aber auch
gut rocken. Was will man mehr? Gute Frage. Vielleicht
verspürt der Eine oder Andere nach diesen Auskünften
ja sogar Lust, die Band einmal live zu erleben. Das sollte
in der näheren Zukunft kein größeres Problem
darstellen, verrät DAWE: Gerade live funktionieren
die neuen Stücke wie gesagt sehr gut, sodass ein
Konzert eine sehr wichtige Sache ist. Zudem bietet sich
uns natürlich dabei die Möglichkeit, neue Fans
zu erspielen. Wir versuchen, kontinuierlich Shows zu spielen.
Da Klage jetzt erschienen ist, müssen
wir das Album jetzt verstärkt promoten. Zur Zeit
suchen wir eine passende, größere Band, mit
der wir als Support eine Tour bestreiten können.
Schließlich wollen wir uns weitere Fans erspielen.
Nachdem DAWE nun alle Fragen so freundlich und kompetent
beantworten konnte, brennt mir nun nur noch eine letzte
Frage auf den Lippen: Die Promofotos sehen aus wie eine
Mischung aus HANNIBAL LECTOR, SIDO und SLIPKNOT-Fanclub.
Ich möchte zum Abschluss gerne noch wissen, warum
die Band sich ausgerechnet in diesem Outfit für Album
und Pressemappe fotografieren ließ. Selbst diese
Frage kann DAWE aber mit einer ordentlichen Portion Humor
zu meiner Zufriedenheit beantworten: Wir sind einfach
so hässlich und wollen nicht gleich alle verschrecken.
Ben Kettner
Gothic Nr. 56 (März - Mai 2007)
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